Phantastische Gewinnaussichten und die Realität

Wie sieht es wirklich aus ? 

In Schleswig-Holstein gibt es neben den großen Verteilnetzbetreibern wie SH-Netz AG, HanseGas aktuell rund 40 weitere lokale Netzbetreiber. Diese firmieren rechtlich als eigenständige Gesellschaft oder sind Teil eines Stadt- bzw. Gemeindewerkes. Rund 30 davon betreiben ein Strom- und Gasnetz, die Übrigen nur das Strom- oder Gasnetz. Netzbetreiber gehören zu den so genannten „natürlichen Monopolen“, in denen der Wettbewerb eingeschränkt oder ganz außer Kraft gesetzt ist. Damit die Netzbetreiber jedoch keine Monopolgewinne erwirtschaften, notwendige Investitionen tätigen und die Netze trotzdem so kostensparend wie möglich betrieben werden, gibt es die Anreizregulierung.

Zuständige Regulierungsbehörde ist die Bundesnetzagentur. Sie legt seit 2009 für die regulierten Netzbetreiber fest, wie viel Geld die Netzbetreiber über den Zeitraum der Regulierungsperiode für den Betrieb und die Erweiterung ihrer Energienetze über die Netzentgelte von den Netznutzern vereinbaren dürfen. Eine umfassende Erhebung fasst nun die Ergebnisse der veröffentlichten Jahresabschlüsse der Schleswig-Holsteiner Netzbetreiber zusammen und beleuchtet deren bilanzielle Entwicklung seit 2010 also kurz nach Beginn der Regulierungsmaßnahmen. In diese Erhebung fließen sämtliche zur Verfügung stehende Bilanzen von lokalen Verteilnetzbetreibern ein, die ein Strom- und Gasnetz betreiben. Nicht berücksichtigt sind Netzbetreiber, die erst 5 oder weniger Jahre das Netz betreiben oder deren Netzbetrieb nicht separat ausgewiesen ist. D.h. in die Erhebung fallen 22 Netzbetreiber.

In der Zeit der 1. Regulierungsperiode 2009-2012/13) hat die überwiegende Mehrzahl der nebenstehenden Netzbetreiber schwarze Zahlen geschrieben und teils hohe Gewinne verbucht. In den Jahren 2010-2013 weisen die Bilanzen von den betrachteten 22 Verteilnetzbetreibern zusammen rund € 35 Mio. Gewinn aus. Lediglich 4 Netzbetreiber haben in diesem Zeitraum Verluste eingefahren. Für die Jahre 2014-2017, mit Beginn der 2. Regulierungsperiode, hat sich die Ergebnissituation verändert. Der addierte Gewinn der Verteilnetzbetreiber hat sich um 75% reduziert, also auf rund € 8 Mio. in einem Zeitraum von vier Jahren geschrumpft. Zehn Verteilnetzbetreiber haben in diesem Zeitraum keinen einzigen Cent mehr verdient, sondern Verluste realisiert. Zu diesen 10 sind weitere 5 Netzbetreiber in den letzten beiden Jahren des Zeitraums, also 2016 und 2017, in die Verlustzone gerutscht. Das bedeutet, dass der Betrieb der Netze bei 15 von 22 Netzbetreibern also 68% unprofitabel geworden ist ! Dieser Trend wird sich noch verstärken, denn die Netzagentur hat das Zinsniveau für die zugebilligte Eigenkapitalzinssätze stark herabgesetzt. Die Interessenvertretung der Stadtwerke (VKU) und auch diverse Verbraucherschützer gehen übereinstimmend davon aus, dass den bundesweit rund 890 Netzbetreibern ab 2019 rund € 450 mio. jährlich entzogen werden. Die nachsehende Grafik zeigt die Gewinnentwicklung der Verteilnetzbetreiber in Schleswig-Holstein. 

Bereits 2015 und 2017 wurde über allem gesehen kein Gewinn mehr erzielt. Von einer weiteren Verschlechterung ist durch die zuvor angesprochene Verschärfung des Regulierungsregime sicher auszugehen. Die Logik der Bundesnetzagentur wird auch in der nächsten Regulierungsperiode automatisch zu einem weiteren Absinken der Zinssätze führen und die wirtschaftlichen Aussichten für Netzbetreiber weiter einengen. Aktuell suchen Netzbetreiber nach Wegen, dem Erlös- und Effizienzdruck der Netzagentur besser gerecht zu werden, u.a. schließen sie sich zusammen. 2018 fusionierten Niebüll, Gemeindewerke Leck und Stadtwerke Bredstedt. Die Stadtwerke Eckernförde, Rendsburg und Schleswig streben aktuell eine ähnliche Allianz an.

Nachstehend finden sich sämtliche relevante Daten, auf die sich die Erhebung bezieht. Alle Daten sind aus dem öffentlichen Unternehmensregister entnommen und können eingesehen werden.  

Nachstehend finden sich einzelne Auszüge aus Jahresabschlüssen. Ein Teil besteht aus der sogenannten Gewinn- und Verlustrechnung, die Einblick gibt, auf welchen Zahlen sich ein Jahresüberschuß bzw. -fehlbetrag bezieht  bzw. wie dieser zustande kommt.   

Stadtwerke Tornesch - Netz GmbH; aktueller Auszug Unternehmensregister 2017

Summe u. Spartenergebnis Betrieb Gas u. Strom, Netz Tornesch GmbH 2010-2017, entnommen aus den Jahresabschlüssen; Unternehmensregister

Stadtwerke Quickborn, Auszug aktueller Jahresabschluß, Netzbetrieb Strom

Stadtwerke Quickborn; Auszüge seit Beginn des seperaten Ausweises des Netzbetriebs Strom&Gas, Seit 2012 summieren sich die Verluste aus dem Netzbetrieb auf € 1.487.217,00

Auszug aus dem Jahresabschluss 2017 EVE Netz GmbH, Stadt Danneberg

Entnommen aus den veröffentlichten Abschlüssen der Gesellschaft seit Gründung

Auzug aus dem aktuellen Jahresabschluss der EVE Energieversorgung Elbtalaue GmbH. Nachzulesen: Unternehmensregister

 

Bei der Muttergesellschaft der EVE Netz ist inzwischen eine bilanzielle Schieflage entstanden. Ohne Haftungsgarantien der Stadt wären die Stadtwerke bereits insolvent *) :

Auszug aktuelle Bilanz Hamburg Energie 2018, seit Gründung 2009 hat sich ein Verlust von € 3.937.724,11 aufgebaut

Die 33% Beteiligung an der Energie Rellingen GmbH brachte der Stadt Elmshorn 2017 € 14.000 Verlust ein; aktueller Auszug Stadtwerke Elmshorn Unternehmensregister 2017

Stadtwerke Beste GmbH. Ergebnis Betrieb Stromnetz: -727.081,44. Im Vorjahr Minus € 2.15 mio.

Nach Millionenverlusten. 2019 Netzbetrieb abgestoßen. *)

Mehr dazu hier.

Auszug Jahresabschluß Netzbetrieb Bordesholm

Auszug aktueller Jahresabschluß Netzbetrieb Lauenburg

Insolvenz *) 

= Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung

Insolvenzordnung (InsO)

§ 17 Zahlungsunfähigkeit (1) Allgemeiner Eröffnungsgrund ist die Zahlungsunfähigkeit. (2) Der Schuldner ist zahlungsunfähig, wenn er nicht in der Lage ist, die fälligen Zahlungspflichten zu erfüllen. Zahlungsunfähigkeit ist in der Regel anzunehmen, wenn der Schuldner seine Zahlungen eingestellt hat.

§ 19 Überschuldung (1) Bei einer juristischen Person ist auch die Überschuldung Eröffnungsgrund. (2) Überschuldung liegt vor, wenn das Vermögen des Schuldners die bestehenden Verbindlichkeiten nicht mehr deckt, es sei denn, die Fortführung des Unternehmens ist nach den Umständen überwiegend wahrscheinlich.